Müssen wir kriegstüchtig werden, um den Frieden zu sichern?
Die weltweiten Militärausgaben sind im Jahr 2024 auf einen Rekordwert von über 2,6 Billionen US-Dollar gestiegen, was den größten Zuwachs seit Jahrzehnten darstellt. Die USA hatten knapp 1 Billion (genau 997 Mrd.) Rüstungsausgaben, China 314 Mrd., Russland 149 Mrd. und Deutschland hat sich inzwischen mit 88,5 Mrd. auf den vierten Platz, auf dem bisher Indien stand, „vorgearbeitet“.
Die Fragen und die kontroversen Debatten um Krieg und Frieden beschäftigen die Sozialdemokratie seit ihrer Entstehung, auch gegenwärtig. Nach der durch den Überfall Russlands auf die Ukraine ausgelösten „Zeitenwende“ will am Mittwoch, den 20. Mai 2026 um 15 Uhr im Karla-Spagerer-Saal (Murgstraße 3-11, Neckarstadt-Ost) die Mannheimer SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus mit dem ehemaligen Heidelberger SPD-Bundestagsabgeordneten und Bundesvorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus Lothar Binding über die unterschiedlichen Wege sozialdemokratischer Sicherheits- und Friedenspolitik diskutieren.
August Bebel, einer der Gründer der SPD und von 1892 bis 1913 einer der beiden SPD-Vorsitzenden, rief 1887 im Deutschen Reichstag „Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!“. Am 4. August 1914 erfolgte im damals kaiserlichen Deutschland durch die SPD-Reichstagsfraktion die Zustimmung zu den Kriegskrediten. Das war ein historischer Wendepunkt, der die Partei tief spaltete und den Beginn des Ersten Weltkriegs auf deutscher Seite finanzierte. Trotz früherer pazifistischer Haltung stimmte die Fraktion im Reichstag geschlossen für die Finanzmittel, was oft als "Sündenfall" der Sozialdemokratie bezeichnet wurde.
Dieser historische Wendepunkt personifiziert sich am Beispiel von Ludwig Frank, ein prominenter Mannheimer SPD-Politiker, überzeugter Pazifist und Vorkämpfer für internationale Verständigung. Er sprach am 9. April 1913 im Reichstag für seine Fraktion gegen die geplante Heeresvorlage (Aufrüstung). In Mannheim sprach Frank Ende Juni 1914 auf der örtlichen Friedenskundgebung. Falls sich ein Krieg jedoch nicht verhindern ließe, würden - so Frank - auch die als "vaterlandslosen Gesellen" verunglimpften sozialdemokratischen Arbeiter ihrer „nationalen Pflicht“ nachkommen und für Deutschland in den Krieg ziehen. Frank meldete sich als Kriegsfreiwilliger und wurde am 13. August 1914 eingezogen. Bereits am 3. September 1914 fiel der Vierzigjährige als Gefreiter des zweiten Badisches Grenadier-Regiment in Nossoncourt in den Vogesen.
Der sozialdemokratische Verteidigungsminister Boris Pistorius – übrigens der beliebste Politiker in Deutschland - hat angesichts der aktuellen Lage in Europa- von „Kriegstüchtigkeit“ gesprochen: „Wir müssen Abschreckung leisten, um zu verhindern, dass es zum Äußersten kommt. ... Ich bin überzeugt: Wir brauchen eine neue Form des Wehrdienstes.“
Zu der sicherlich spannenden Veranstaltung der SPD-Arbeitsgemeinschaft ist auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Es wird aus organisatorischen Gründen um Anmeldung gebeten: https://lets-meet.org/reg/e6cf1973a8b4edde73 oder 60plus@spd-mannheim.de